„Spiegelungen“
"Kunst im Kreuzgang" auf Gaesdonck

Die Künstlergruppe Marienthal stellt im 13. Jahr im Kreuzgang der Klosterkirche Marienthal aus. Bedingt durch Fördermittel der Bezirksregierung wird diese Ausstellung an 3 verschiedenen Orten zu sehen sein, im Juli grenzüberschreitend im Kreuzgang der Klosterkirche Mariadal bei Venlo, übrigens die holländische Übersetzung von Marienthal, sowie von Ende August bis Ende September im Kreuzgang des Collegium Augustinianum Gaesdonck bei Goch.(Ausstellungseröffnung 24.August 11.30 Uhr)

Das Thema „Spiegelungen“ wurde von den Künstlern im letzten Jahr festgelegt. Dahinter steht die Idee, in Kreuzgängen vorhandene alte Kunst in moderner Form widerzuspiegeln. In diesem Jahr nehmen 13 Künstler teil. Als Gastkünstlerin begrüßen wir in diesem Jahr Beate Florenz-Reul aus Wesel.

Karin Denecke hat ihre Fotocollage „Gespiegelt“ genannt. Die verwendeten Materialien sind Fotografien, Folien und Spiegelfolie. Nahaufnahmen aus dem Kreuzgang des Klosters Marienthal, Farbfolien und Spiegelfolie, teilweise übereinandergeschichtet zeigen Ansichten, Details, Reflexionen, Spiegelungen. Sie bieten dem Betrachter die Möglichkeit, sich auf vielfältige Weise mit dem Thema „Spiegelungen“ auseinanderzusetzen, zu sehen, zu deuten, zu erkennen, zu reflektieren.

Beate Florenz-Reul nennt ihre fünfteilige Arbeit „Angeli“. Die fünf Engel der Passion aus dem Kreuzgang von Marienthal tragen nicht Zepter und Reichsapfel, sondern Kreuz, Dornenkrone und Lanze. Die mit Acryl gemalten Ornamente und Fragmente der Passionsengel sowie aufgeklebte Teile alter Schulkarten überschneiden sich und bilden ein dichtes Netz aus Formen und Farben.

Lisa Frenthoff-Köpp hat ein Wachsobjekt „Augenblick“ geschaffen, einen kleinen Kasten, in dem sich ein Fotoband (Ausschnitt aus einem Bleiglasfenster von H. Campendonk) mit Senkrechten aus Wachs kreuzt.

Marile Heinens Keramikarbeit mit Engoben trägt den Titel „Sie trauern“. Die Arbeit stellt zwei trauernde Frauen dar, die sich in ihrer Trauer gemeinsam stützen und halten. Die Plastik bezieht sich auf die Darstellung der Kreuzigung Christi. Vor dem Kreuz stehen Maria und Maria-Magdalena und trauern um den Tod Christi.

Marianna Kalkhof bezieht sich mit ihrem Bild „Auferstehung“ auf das Relief „Pieta“ in der ersten Nische des Kreuzganges im Kloster Marienthal. In flächigen, ruhigen Formen und Farben erscheint der Auferstandene als Spiegelung des toten, auf dem Schoß Marias ruhenden Christuskörper in aufrecht bewegter, fast tänzerischer Haltung.

Dagmar Kessler
Durch die Verbindung von alter und neuer Darstellung der Leidenswerkzeuge – Nägel – entsteht ein Pfeil, der gen Himmel zeigt. Die historische Darstellung des dreieckigen Reliefs zeigt einen Engel mit den Nägeln der Kreuzigung Christi. Darauf hat die Künstlerin bei Ihrer Arbeit „Nagelspuren“, einer Stele aus Ruhrsandstein, Bezug genommen. Die Spuren der Nägel sind fortlaufend wie die Spuren der Verletzungen – Not – Angst – Zerstörung – Wunde - Folter – Tod – Trauer – Hoffnung – Auferstehung –Amen.

Hans-Walter Kessler
Die Skulptur „Reflektion“ schränkt den Blick des Betrachters ein und lenkt ihn durch die Öffnung in Form eines romanischen Fensters mit vergoldeter Fensterlaibung auf die historische figürliche Darstellung, die sich dahinter befindet. Vertiefungen von Betrachtungs- und Gedankengängen werden so ermöglicht und führen zu einer Reflektion – Spiegelung – des Betrachters.

Gudrun Kleffe nimmt mit ihrer Arbeit aus Fäden, Stoff und Draht Bezug auf die Architektur eines Kreuzganges mit ihrer baulichen Öffnung aus der Mitte heraus, wie sie in der mittelalterlichen Klosterreform vorkommt. Das Gehen über den Boden des Kreuzganges hat über die Jahre seine Spuren hinterlassen. Diese Zeitzeugen durch Linien aufzuzeichnen und so die Architektur widerzuspiegeln, ist die Idee hinter der entstandenen Arbeit.

Kuno Lange stellt ein zweiteiliges Exponat als Relief-Darstellung mit dem Titel „Kreuzweg-Interpretation“ aus. Dargestellt werden zwei Personengruppen, die durch eine flächige Gestaltung voneinander getrennt scheinen. Die obere Figurengruppe scheint die untere distanziert zu betrachten. Die untere Gruppe zieht prozessionsartig unter dem Zeichen des Kreuzes dahin.

Sigrid Neuwinger hat ihr Wandobjekt aus Draht und Kunststoff „Krönung“ genannt. Gegensätzliche inhaltliche Assoziationen spiegeln sich auf der formalen Ebene: einerseits Bilder von Kreuzigung, Golgatha, Beweinung, Schmerz – andererseits auch Krönung, Überwindung, Freude und Gehaltenwerden. Aus voluminösem Körper richten sich in dünnen Linien kreuzförmig angeordnete Drähte auf, deren Knotenpunkt aus gleichem Material und gleicher Farbe den Blick nach oben leiten. Oben und Unten erwecken Vorstellungen von Oberkörper und Dornenkrone. Deren spitzige Drähte ordnen sich nach oben hin zu Gewebe und scheinen von „Schulter“ und „Oberarm“ wie ein Strauß feierlich getragen zu werden. Leuchtendes orange unterstützt eine positive Ausstrahlung, und das zeitgenössische Material Kunststoff übersetzt die „Szene“ in die heutige Zeit und führt damit auch in gewisser Weise die Arbeit von Josef Strater, Detail aus dem Kreuzweg, 1928 fort.

Ingeborg Schmidthüsen beschäftigt sich mit ihrer Papierarbeit „Spuren“ mit der Spiegelung der Schrift auf einer Grabplatte im Marienthaler Kreuzgang. Im Jahr 1526 den 26. Tag im Oktober starb Bruder Gossen Averhagen, Subprior. Bitt God für die Seel. – Alte Schrift spiegelt die Zeit, eine vergessene Sprache – unlesbar.

Dietrich Weber mit seinem Stahl/Spiegelobjekt „Durchblick“ bietet verschiedene Ansichten, Aussichten, Einblicke, Aus- und Durchblicke.

Yoshi Yamauchi hat eine Glasarbeit in einem Holzkasten gestaltet, die einen Kreuzgang mit bepflanztem Innenhof symbolisieren soll: Die Mitte ist als „quadratisches Pflanzenbeet eines Innenhofes“ durch 9 kleine grüne Quadrate gestaltet. Auf den 4 Seiten sind mittig Ornamente von Säulenkapitellen nachempfunden. Pflanzenmuster in den 4 Ecken verbinden diese Kapitelle zu einem „umgehenden Kreuzgang“.

Weitere Informationen über die Künstlergruppe finden Sie unter:

kuenstlergruppemarienthal.wordpress.com

 

Redaktion: Christa Weihofen

 

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