Klosterbibliothek
Erfolgreiche Archivarbeit

Am 6. Dezember 2016 fand in der Klosterbibliothek die offizielle Präsentation des Bandes INA 56 – Regesten des Archivs des Klosters Gaesdonck statt. Nach einer Begrüßung von Direktor Broeders und eine inhaltliche Einführung von Herrn Van der Linde, der als ehemaliger Direktor der Gaesdonck ehrenamtlich in der Klosterbibliothek tätig ist, beantwortete Herr Dr. Kastner, Verfasser des Bandes, Fragen der anwesenden Gäste und Pressevertreter. Anschließend kam Herr Fernkötter zu Wort, Gaesdoncker Abiturient und ehemaliger Lehrer am Gaesdoncker Gymnasium, über seine Arbeit an der Edition der Gaesdoncker Priorenchronik für die letzten Gaesdoncker Blätter, zu Wort.

Laurenz van der Linde, OStD. iR.:
In den nichtstaatlichen Archiven, z.B. den Kloster- und Adelsarchiven des Rheinlandes lagern wertvolle Schätze zur Erforschung der politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen Geschichte. Man erfährt aus ihnen Einzelheiten aus dem Leben der Menschen, ihr Verhältnis untereinander und zu den Obrigkeiten, ihre beruflichen Tätigkeiten, wie sie aus den geschlossenen Verträgen, insbesondere den im Rang hochstehenden Notariatsinstrumenten,hervorgehen. Die Urkunden sind in Latein oder der Landessprache von Richtern, Schöffen und anderen schreibkundigen Verwaltungsleuten abgefasst; die Schreiber bedienen sich dabei einer großen Anzahl von Kürzeln und Sonderzeichen, häufig ganz individueller Natur, wodurch das Lesen oder Entziffern der Texte erschwert wird. Mit letzteren Aufgaben befassen sich heutzutage die Archivare. Um den Inhalt der Urkunden einem größeren Kreis von Interessierten, die keinen Zugang zu den Archiven haben, zugänglich zu machen, werden von Fachleuten sogenannte Regesten angefertigt. Diese enthalten eine genaue Beschreibung des physischen Zustandes derUrkunde, i.a. Pergament, anhängende Siegel u. a., die Namen des Richters, der Schöffen oderdes Bürgermeisters, die Namen der vertragsschließenden Parteien, der Zeugen und den Inhalt des Vertrages, Ort und Datum.Mit den genannten Archiven befasst sich das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland in Brauweiler.



Es gibt eine Reihe „Inventare nichtstaatlicher Archive“ heraus. Der heute präsentierte Band 56 ist dem Archiv des Klosters Gaesdonck gewidmet. In dessen Urkunden erfährt man, wie im Jahre 1450 die benachbarte Stadt Gennep ein Messbuch benötigte, wie man ein solches im Kloster Gaesdonck von den Augustinermönchen schreiben und binden ließ, und welchen Lohn sie dafür empfingen: Siedurften auf Lebenszeit die Wege und Brücken der Gemeinde bei Tag und Nacht, zu Fuß oderberitten passieren, auch mit Tieren ohne irgendeinen Zoll bezahlen zu müssen. Als die Mönche von ihrem ersten Kloster in Goch auf den gespendeten Hof „inger Gaesdonck“ zogen, einigten sie sich notariell mit dem dort zuständigen Pfarrer von Hassum – in ewigwährender Freundschaft - über die Verteilung der Kircheneinkünfte; sie durften Messen lesen, Sakramente spenden, Tote begraben, aber keinen Taufstein aufstellen – es gibt heute noch keinen. Der Pfarrer bekam dafür jährlich eine bestimmte Anzahl Malter Roggen. Zahlreiche Urkunden befassen sich mit Vermögens- und Erbschaftsangelegenheiten, viele Schenkungen erhielt das Kloster für die Zusage, für das Seelenheil der Schenkenden und ihrer Vorfahren zu beten. Die Fürsorge der Herzöge von Geldern und später Kleve für das Kloster geht aus vielen Urkunden hervor, auch gelegentlich das Gegenteil. Vieles weiterekann man nunmehr aus INA Bd. 56 erfahren. Die ISBN – Nummer genügt zur Bestellung.

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