Reportage zum Inliner-Marathon 2016

Herr Zalewskis Q2-„Finisher“ stürmen die Hauptstadt 

13 Uhr. Klassentüren werden aufgestoßen, erste Schüler der Q2 stürmen freudestrahlend in die Pausenhalle. Einige stolpern über vollgepackte Taschen, die den Weg versperren. Unter großer Anstrengung werden die Taschen zur Mensa geschleppt. „Wie soll man denn da den Inliner-Marathon schaffen, wenn die Kraft schon dafür nicht reicht“, denken manche Schüler verzweifelt. „Ich bin kurz vor dem Nervenzusammenbruch“, hört man Stephan vor der Mensa sagen. Stefanie antwortet auf die Frage nach ihrem Gemütszustand mit „scheiße schwitzig“ und isst gedankenverloren und gehetzt die nach Tomate riechende Spaghetti Bolognese mit grünem Salat. Andere hingegen bekommen kaum ein Bissen hinunter. Die Hektik und Nervosität kann nur von Spiritual Cornelius Happel beruhigt werden, der für den Reisesegen am Bus eintrifft und somit kurzzeitig für Stille sorgt und die Aufregung in Vorfreude verwandelt. 
Die Stille währt allerdings nur für kurze Zeit, schon startet die Rangelei um die besten Sitzplätze. Schüler und Lehrer winken dem abfahrenden Bus hinterher, auch der Stufenleiter Herr Kattelans, der sich noch schnell eine Marathonshirt übergeworfen hat. Nachdem Herr Zalewski nochmal vorsichtshalber gecheckt hat, ob auch wirklich alle den Bus erwischt haben, kehrt endlich etwas Ruhe ein. Die ersten zücken ihre Handys. Maike, Theresa, Paul, Felix und Jonas duellieren sich bei einer Runde Mario Kart. Bis zur ersten Pause halten einige noch ein genüssliches Mittagsschläfchen.
Nachts in Berlin angekommen, werden ohne Rücksicht auf Verluste die Koffer aus dem Bus gerissen. Die Betten sind schnell bezogen, die einen eleganter als die anderen, und jeder hat „glücklicherweise“ den richtigen Koffer erwischt. Es folgt der typische Ablauf eines ersten Abends in der Jugendherberge und auch der erste Morgen verläuft eher unspektakulär. Das Frühstück sei laut Pius und Victor „nicht besser oder schlechter als das auf der Gaesdonck“ und so machen sich alle am Vormittag motiviert zu Fuß auf den Weg zum Messegelände, um die Startnummern abzuholen. Die Stimmung ist super. Auf Hinweis von Herrn Zalewski, man könne besser zu viele als zu wenige Sicherheitsnadeln zur Befestigung mitnehmen, greift jeder kräftig in Box.
 
 
Wenn man schon mal in Berlin ist, darf der Aspekt Kultur logischerweise nicht fehlen. In unserem Fall bedeutet das ein Besuch im Bundestag. Natürlich wird dies zuerst mit Augenrollen kommentiert. Nach einem sehr kurzweiligen Vortrag, in dem Paul seine Geschichtskenntnisse bestätigt, wird die Reichskuppel besucht. Bei schönem Wetter werden einige Erinnerungsfotos geschossen.
Mit gemischten Gefühlen erreicht der Kurs wieder die Jugendherberge, in der sich alle nach dem Abendessen zusammenfinden, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Auch einige Eltern haben sich eingefunden, um Unterstützung zu leisten, vor allen Dingen bei der Befestigung der Startnummern an den Trikots. Herr Zalewski schafft es in seiner Art und Weise, alle für den morgigen großen Tag in einer motivierenden Rede top vorzubereiten. Er macht deutlich, dass die Schüler etwas schaffen können, was man sein ganzes Leben nicht mehr vergessen wird. Er lockert die Stimmung, wie man von ihm nicht anders kennt, mit einem Augenzwinkern sehr schnell wieder auf. „Ach, und die Eltern schmuggle ich irgendwie auch zum Fototermin. Jetzt spreche ich schon wie ein Pole!“ Der Abend endet damit, dass alle Rollen fest geschraubt, Startnummern angebracht und restliche Sachen zusammengepackt sind.
Und dann ist der Tag gekommen. Beim Frühstück kann man sich zwar noch nicht so wirklich vorstellen, dass wir in ein paar Stunden einen Inlinermarathon fahren werden, da die Müdigkeit einigen deutlich anzusehen ist. Zum Glück weiß man schon, wo die Sachen zu finden sind, die man für sein perfektes Frühstück braucht, so dass dies auch noch im Halbschlaf geschafft wird. Irgendwann wird es immer unruhiger auf den Gängen der Jugendherberge. Flaschen müssen gefüllt werden, letzte Kleinigkeiten in die Taschen gepackt werden und, ganz wichtig, die Frisurfrage muss geklärt werden. 
Nach der letzten Stärkung beim Mittagsessen geht es vollgepackt und in Zweierreihen Richtung Brandenburger Tor. Die Vorfreude und Nervosität wird immer größer. Die Schüler stimmen Gesänge an und treffen immer mehr Leute, die auch mit Inlinern unter den Armen den Weg zum Start einschlagen. Schon von weitem hört man die Bässe der Musik und die Stimmen der Menschen, die sich vermischen. Das Gefühl ist kaum beschreibbar. Der Sportkurs bekommt die Möglichkeit in einem abgesperrten Bereich vor dem Brandenburger Tor bei bestem Wetter Fotos zu schießen. Die Sonne strahlt. Alle tragen die grün leuchtenden Inlinertrikots, die die Aufmerksamkeit der anderen erregen.
 
 
Und dann geht alles ganz schnell. Die mitgereisten Eltern werden verabschiedet, man wird in den Umkleidebereich geführt, in dem man sich die Inlinerkleidung anzieht. Schoner, die von Stürzen beim Training sehr mitgenommen aussehen, Helme, die schon einige sichtbare Kratzer aufweisen und die Inliner, die schon einige Kilometer hinter sich und jetzt 42km vor sich haben. Nachdem der Helm mit dem grünleuchtenden Namen aufgesetzt ist, macht man sich als Gruppe auf zur „Straße des „9. Juni“. Hier wird man in wenigen Minuten starten.
Die Gefühlslage ist unterschiedlich. Einige werden kurz vor dem Start ganz ruhig, andere können ihre Nervosität kaum noch halten. Doch allen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Nachdem die Profis mit einem unfassbaren Tempo gestartet sind, rücken die Schüler immer näher zu Startlinie. Die letzten fünf Sekunden fühlen sich an wie eine Ewigkeit und dann denkt man nur noch daran, was man in den etlichen Stunden beim Training immer gelernt hat. Die Musik gibt einem den letzten Kick. Der Startschuss ertönt und man beschleunigt immer mehr, der Fahrtwind wird stärker, man findet den Rhythmus seiner Gruppe und die Musik vom Startbereich wird leiser und geht in die Anfeuerungsrufe der Zuschauer über, die zahlreich überall am Straßenrand stehen.
Die erste Versorgungsstation, die sich kurz hinter einer Kurve befindet, wird von vielen erst spät gesehen und somit holprig angesteuert. Weiter geht die Fahrt mit neuer Kraft. In der Gruppe motiviert man sich gegenseitig und stellt überrascht fest, wie auch weitere Kilometer mehr oder weniger problemlos vorüberziehen.
Die nächste Versorgungsstation ist in Sicht und da man aus seinen Fehlern lernt, wird diese auch relativ reibungslos passiert. Der Kräftevorrat schwindet langsam. Die ersten klagen über Schmerzen an diversen Körperstellen und leichte Atemschwierigkeiten. Doch Aufgeben kommt für keinen in Frage. Die Zuschauer und andere Teilnehmer motivieren und feuern an, was das Zeug hält. „Ihr seht gut aus, Mädels!“, „Ist nicht mehr weit.“ oder „Zieht dran, Jungs!“, hört man von allen Seiten rufen. Nachdem die letzte Versorgungsstation erreicht ist und man sich wieder in Berlin-Mitte befindet, geht alles ganz einfach. Doch nicht das Brandenburger Tor ist die Ziellinie, was bei manchen für Verwirrung sorgt, sondern erst wenige hundert Meter weiter wird man von netten Helfern mit Medaillen im Ziel begrüßt. Man bekommt eine „Decke“ übergelegt, damit man nicht unterkühlt und wird mit reichlich Essen und Getränken versorgt. Die Massageliegen kommen den Gaesdonckern zu Gute und werden erstmal belegt. Alle können sich nun endlich als „Finisher“ bezeichnen und glücklich die Medaille in der Hand halten. Erschöpft aber stolzen Hauptes wird zu Fuß der Rückweg zum Hostel angetreten. 
 
 
Nach einer erfrischenden Dusche, kann es dann auch keiner mehr abwarten sich den Magen vollzuschlagen. Schließlich fiel das Mittagessen bei dem ein oder anderen eher dürr aus, da man vor lauter Aufregung kaum einen Bissen runter bekam. Man saß noch bei leckerem Kartoffelsalat, frisch gegrilltem Fleisch und saftigem Brot zusammen und ließ den Tag Revue passieren. Für die meisten endete der Abend recht früh, manche allerdings, feierten noch mit anderen erfolgreichen Teilnehmern.
Doch wer denkt, dass der Tag nach dem Marathon zur Entspannung dient, hat weit gefehlt: Um 8 Uhr steht eine Messe auf dem Programm. Somit stehen die ersten „Finisher“ schon um 6.15 Uhr auf, um die Koffer zu packen. Bei vielen beschränkt sich dies allerdings darauf, so schnell wie möglich, alles in die Taschen zu stopfen. Von Muskelkater gezeichnet humpeln die Schüler zum vertrauten Essensraum und viele sind froh, als man nach einem kurzen Fußweg in der Kirche endlich wieder sitzen kann. Der Pastor, selbst ehemaliger Schüler an der Gaesdonck, begrüßt die Gruppe nach dem Eintreffen persönlich und nimmt sich am Ende Zeit für ein kleines Gespräch. Ein gelungener Start in den Tag.
Nach einer letzten kleinen Stärkung treten die „Finisher“ die Heimreise an. Direkt nach Abfahrt ist kaum noch ein Geräusch im Bus zu hören. Fast alle versinken in einen Tiefschlaf und nach einer unspektakulären Rückfahrt wird man um 20 Uhr von den Eltern an der Gaesdonck in Empfang genommen. Die „Finisher“ sind wieder am Niederrhein angekommen.
 
 
 
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