Potenzialanalyse zur Berufswahlorientierung in den achten Klassen

Regale aufbauen können unsere Schüler auch ...

... zumindest dann, wenn sie die Aufbauanleitung ignorieren. Denn der Plan, den die Koordinatoren der Potenzialanalyse unseren Achtklässlern an ihrem Projekttag zur Berufswahlorientierung in die Hände gedrückt hatten, war bewusst lückenhaft gehalten. Hielt man sich an die Anweisungen, stand das Regal bestenfalls schief. Wer die Bretter gerade und stabil zusammen zimmern wollte, musste sich einen eigenen „Plan B“ ausdenken und räumliches Vorstellungsvermögen mit handwerklichem Geschick kombinieren.
Übungen wie diese kommen im Unterrichtsalltag eines Gymnasiasten normalerweise nicht vor. Warum also schraubten Gaesdoncker Achtklässler trotzdem Holzbretter zusammen?

Die so genannte Potenzialanalyse, ein neuer Baustein eines landesweiten Programms zur Berufs- und Studienwahlorientierung an Schulen, greift auf Aufgaben wie den Regalaufbau zurück, um besondere Stärken der Schüler sichtbar zu machen. Diese können dann für den weiteren Berufswahlprozess von Bedeutung sein. So saßen als offizielle Beauftragte des Landes Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs Kleve im Raum, während unsere Schüler bohrten, hämmerten und schraubten, und sahen genau hin: Wie läuft die Teamarbeit ab? Wer trägt zur Lösung von Problemen bei? Wie werden die Vorschläge kommuniziert? Wie empathisch sind die Probanden dabei?

 
Insgesamt sechs Workshops hatten die Achtklässler am Projekttag unter Beobachtung zu absolvieren. Sie mussten nicht nur Regale aufbauen, sondern auch einen fiktiven Mordfall lösen, ein Verkaufsgespräch meistern, eine einsame Insel besiedeln, Buchhaltung betreiben und einen Verletzten versorgen. Letztlich ging es dabei darum herauszufinden, ob jemand eher ein „Forscher“, ein „Verwalter“, ein „Kommunikator“, ein „Künstler“ oder ein „Unterstützer“ ist – und auch darum, ob jemand Stärken in einem Bereich hat, von denen er noch gar nichts wusste.
 


 
Aufgrund der gesammelten Daten konnten die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfes für jeden Schüler ein Profil mit individuellen Stärken erstellen. In einem persönlichen Auswertungsgespräch wurden diese Stärken dann erläutert. Die Ergebnisse sollten nicht etwa als Berufsempfehlung verstanden werden, sondern als Hinweis, in welche Richtung der weitere Berufswahlprozess in den folgenden Jahren am sinnvollsten verlaufen könnte. Denn schon im kommenden Jahr schließt sich in der neunten Jahrgangsstufe der nächste Projekttag zur Berufswahlorientierung an. Dann ohne eine Übung zum Aufbauen von Regalen, dafür aber mit dem Ziel, die Stärken der Schüler, die jetzt vor dem Hintergrund der landesweit gültigen Qualitätsstandards ermittelt wurden, differenzierter beobachten zu können.

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