Abschlussgrillen des Gaesdoncker Flüchtlingsprojekts

Menschen stärken, Ausstrahlung gewinnen

Mit einem Grillen an der Pfadfinderhütte fand das Projekt „Menschen stärken“, bei dem Gaesdoncker Schüler und Lehrer sieben Monate lang Flüchtlingen aus Goch und Umgebung die deutsche Sprache beigebracht hatten, nun seinen gelungenen Abschluss. Eingeladen waren alle Teilnehmer des Projekts, 40 Flüchtlinge sowie 71 Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis Q1 und 17 Lehrer, die ehrenamtlich in ihrer Freizeit die Sprachkurse durchgeführt hatten. Ebenso begrüßen durften wir Vertreter des Rotary-Clubs Kleve Schloss Moyland und des Taxi-Unternehmens Wolff, ohne deren finanzielle und logistische Unterstützung sehr viel nicht möglich gewesen wäre. Ihnen und der Firma Bogers, die uns immer wieder kostenlos Büro- und Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt hat, gilt unser herzlichster Dank.
Was hat das Projekt „Menschen stärken“ in den vergangenen Monaten alles erreicht?

Während der Grill angezündet wurde, spielten Gaesdoncker Schüler, Lehrer und Flüchtlinge  gemeinsam auf dem Sportplatz Fuß-, Volley- oder Völkerball. Verständigungsschwierigkeiten gab es nach sieben Monaten kaum noch. Nicht so sehr, weil die Flüchtlinge die deutsche Sprache mittlerweile beherrschen, sondern vor allem, weil wir sie besser kennen gelernt haben: Ihre Namen, Gesichter, persönliche Geschichten, Konflikte und Herausforderungen. Vielleicht ist dies, der Kontakt und die Kommunikation miteinander, das Aufeinandereingehen und Verstehen, der wichtigste Erfolg des Projekts.
Nachdem die ersten Würstchen und Steaks, die wegen der islamischen Speisevorschriften unserer Gäste natürlich aus Rind- und Hühnerfleisch bestanden, fertig gegrillt waren, verlagerte sich das Geschehen an die zuvor aufgestellten Klapptische. Bei Fleisch, Brötchen und Salat ergaben sich noch viele Gelegenheiten, die gemeinsamen Erlebnisse der letzten sieben Monate Revue passieren zu lassen.  
In die erste Unterrichtsstunde Anfang November kamen 14 Flüchtlinge. Nach und nach steigerte sich die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 40, ohne dass wir Werbung gemacht hatten. Die meisten unserer Flüchtlinge waren nicht mehr im schulpflichtigen Alter und hatten daher wenige bis keine Möglichkeiten, an anderen Bildungseinrichtungen einen Sprachkurs zu besuchen. Offenbar funktionierte die Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Teilnehmern gut, und diese besagte wohl nichts anders als: „Es lohnt sich für uns Flüchtlinge, zur Gaesdonck zu kommen und zu lernen. Wir werden da gut aufgenommen.“ Wir Gaesdoncker dürfen dankbar sein für diese Anerkennung unserer Arbeit und das Vertrauen, das die Flüchtlinge uns ausdrücklich entgegen gebracht haben. In Erinnerung wird manchem sicher bleiben, dass wir immer wieder mit einer Geste des Dankes, nämlich per Handschlag, begrüßt und verabschiedet wurden.
Wir haben das Projekt „Menschen stärken“ und nicht etwa „Flüchtlingshilfe“ genannt, weil wir bereits zu Beginn eine Ahnung davon hatten, dass wir durch die Sprachkurse nicht nur Flüchtlinge stärken würden, sondern auch uns selbst. Anliegen des Projekts war es nämlich, dass die Gaesdoncker Schüler die Unterrichtsstunden unter Aufsicht des Lehrers weitgehend selbst durchführten. Unsere Schüler wurden also zu Lehrern und nahmen diese Rolle mit Engagement und Selbstbewusstsein an. Wer unsere Schüler nach den Unterrichtsstunden aus den Klassenräumen kommen sah, konnte häufig eine innere Zufriedenheit erkennen. In den Unterrichtsstunden herrschte eine gute Atmosphäre, ein „guter Geist“, der offenbar Ausstrahlung verlieh.
Ein Lehrer charakterisierte das Projekt als „ziemlich grassroot like“. In der Tat war es ziemlich bodenständig angelegt, ohne eine Hierarchie zwischen Lehrern und Schülern, ohne jegliche Form von Bewertung oder Notengebung. Wer mitgemacht hat, konnte sich keinerlei Vorteile erarbeiten, außer vielleicht dem Gefühl, etwas Gutes wirklich freiwillig getan zu haben. 
Einige Schüler haben ihre Erfahrungen im Projekt in kurzen Feedbacks festgehalten:


„Die Leute waren immer sehr dankbar, freundlich und lernbereit. Uns hat es Spaß gemacht, mal die Perspektive des Lehrers einzunehmen. Wir würden gerne wieder teilnehmen, um noch mehr Menschen zu stärken und dabei zu unterstützen, in Deutschland zurecht zu kommen. Die Flüchtlinge waren offen und kommunikativ. Wir haben viel über andere Kulturen gelernt. Im Unterricht war die Atmosphäre immer locker und flockig.“ (Saskia Braß, Pauline Bredenfeld, Anna Broeckmann, Anna Günther, Carolin Piest, Annabelle Riel, Annika Schmitz aus der EF)


  „Die Gruppe der Flüchtlinge kam uns motiviert und lustig vor. Wir haben selbst ein paar Wörter von den Flüchtlingen gelernt. Wir haben den Flüchtlingen geholfen, weil wir finden, dass jeder eine Chance in Deutschland bekommen sollte. Das Projekt passte gut zur Gaesdonck, weil unser Motto lautet: christlich leben, sozial handeln, Begabungen entfalten.“ (Dilan Dur, Lena Bong, Ellen Giltjes, Lisa-Marie Thissen, Rica Broekmann, Elias Cleusters, Sven van Heek aus der 8c)


  „Es war schön zu sehen, dass Menschen, die aus verschiedenen Kulturen kommen und unterschiedlichste Sprachen sprechen, zusammen so gut funktionieren können.“ (Nick Hilzinger, 7d)


  „Wir haben die Flüchtlinge als sehr offen erlebt. Sie grüßen uns nicht nur in der Schule, sondern auch in der Stadt. In Erinnerung bleiben wird uns die motivierte Art und die höfliche Verabschiedung mit der Hand.“ (Pius Brüggen, Skadi Kramps, Hannah van der Staay, Kira Brinkmann, Elena Giesen, Lisa Muschkiet aus der Q1)


  „Uns hat es sehr gut gefallen, da es sehr viel Spaß gemacht hat. Es war interessant, Menschen aus anderen Kulturen kennen zu lernen. Außerdem war es eine gute Möglichkeit, sich zu engagieren.“ (Marie Kremer, Marie-Sah Franken, Marie-Sophie Weber aus der 9c)


  „Man konnte Menschen aus anderen Kulturen kennen lernen und einiges über sie erfahren. Das war sehr schön.“ (Bilem Oynak, 7d)

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