ERSTER GAESDONCKER BEI EINER YOUNG LEADERS-VERANSTALTUNG

51. young leaders akademie in Berlin/Strausberg

Vom 22. März bis zum 27. März 2016 fand in Strausberg die 51. young leaders akademie statt. Ich hatte dabei das Glück, nach erfolgreicher Bewerbung einer der 121 Teilnehmer aus ganz Deutschland zu sein, die allesamt als Gemeinsamkeit das Ausüben eines Ehrenamtes oder einer Führungsposition in der Schule hatten.

Der Weg zum Zentrum für Informationsarbeit der Bundeswehr (ZIB), das als Tagungsstätte für die Akademie diente, war allerdings ein ziemlich weiter:

1.       Tag, Dienstag

Um 1301 ging es am Bahnhof in Xanten los. Nach dem Umsteigen in Duisburg erreichte ich um 1809 schließlich den Berliner Hauptbahnhof. Doch damit war die Reise nicht zu Ende: Als ich den Sammelpunkt gefunden hatte, mussten wir noch eine Dreiviertelstunde mit dem Bus die 40km nach Strausberg fahren – um knapp 1930 waren wir erst angekommen. Nach dem Anmelden und der Zimmerzuweisung hatten wir allerdings den restlichen Abend zum Essen und Kennenlernen zur Verfügung.

 

Das ZIB in Strausberg            In den rechten hinteren Flügeln waren die Zweierzimmer, links der Plenarsaal.

2.       Tag, Mittwoch

Nach dem Frühstück um 800 wurden wir zunächst von Reinhard Werner, dem Geschäftsführer der young leaders GmbH, offiziell begrüßt. Dabei stellte er zwei Aspekte in den Vordergrund: Einerseits die Weiterbildung der „Führungskräfte von Morgen“, aber andererseits auch das „Networking“; das Knüpfen neuer Kontakte. Anschließend hörten wir in zwei 90-Minuten-Blöcken in Arbeitsgruppen Vorträge über Menschsein und Tiersein aus philosophischer Sicht, nach dem Mittagessen einen Vortrag des emeritierten Professors Jörg Splett über die Menschenwürde, besonders mit Bezug auf Abtreibung und Sterbehilfe. Die Referenten haben dabei immer ihren ersten Block zum Vortragen und den zweiten zur Beantwortung von Fragen genutzt.

Jörg Splett im Plenarsaal

3.       Tag, Donnerstag

Am Donnerstag hat zunächst der Herr Kapitän zur See Christian Dienst die Arbeit der Mitarbeiter des ZIB erklärt und anschließend die Wichtigkeit der Kommunikation des Bundesministeriums der Verteidigung anhand des Beispiels der Kundus-Affäre verdeutlicht. Carsten Polanz, Islamwissenschaftler aus Bonn, referierte am Nachmittag über den Islam und Toleranz, sowie Islam und seine gewalttätigen Tendenzen, den Dschihad, wobei er den Islam zur Beurteilung „zweiteilte“: Den frühen Islam als den friedlicheren und den späteren Islam als der gewalttätigeren, da sich die Teile auf unterschiedliche Texte des Korans bezögen, welche mit der Zeit immer brutaler würden.

Abends bin ich mit zwei anderen Teilnehmern der Akademie in Richtung Berlin aufgebrochen, um ein bisschen Hauptstadtluft zu schnuppern. Aufgrund der Unterbrechung des S-Bahn-Verkehrs durch eine Baustelle haben wir allerdings knapp 2 Stunden für die 40km nach Berlin benötigt! Folglich hatten wir knapp eine Stunde in der Hauptstadt, wovon 20 Minuten allein für die Currywurst draufgingen…

4.       Tag, Freitag

Am drittletzten Tag sind wir in den Gruppen zusammengekommen, die wir im Rahmen der Bewerbung anwählen mussten: Webmag, TV-Magazin oder Zeitung. Morgens haben wir zunächst in den Gruppen besprochen, was die jeweiligen Formate auszeichnet und welche Elemente in unserem eigenen Produkt enthalten sein sollen. In meiner Gruppe, die einen Film gedreht hat, haben wir drei Interviews mit den Referenten des Tages, sowie einen Gesamtüberblick über das Gelände in den Film einfließen lassen. Die Formate wurden im Laufe der nächsten beiden Tage vorgestellt.

Am restlichen Tag haben eben jene Referenten zu ihrem Spezialgebiet Vorträge gehalten, sodass wir in den Interviews auf diese eingehen konnten. Dabei ging es sowohl um Meiden in der Zukunft, als auch um die Sicherheit in der Zukunft. Vor allem der Brigadegeneral Thomas Hambach wurde mit Fragen gelöchert, schließlich passierten die Anschläge in derselben Woche am Montag.

5.       Tag, Samstag

Der letzte Tag im ZIB war der wohl interessanteste:

Es wurden vier Workshops angeboten - Benimm und Etikette, Körpersprache, Mimik-Resonanz-Training und Verhandlungstraining. Ich habe dabei am dritten Workshop, dem der Mimik-Resonanz teilgenommen. Dabei haben wir die sieben Basisemotionen und ihre Anzeichen kennengelernt: Der Mensch kann gewisse „Zuckungen“ in seinem Gesicht nicht unterdrücken, sodass diese das wahre Gefühl des Menschen zu einem gewissen Zeitpunkt verraten. So konnten wir nach nur fünfeinhalb Stunden Training deutliche Anzeichen von Ekel sehen, als Chris Brown über seine Ex Rihanna sprach, und versteckte Verachtung im Gesicht von Uli Hoeneß beim Eintritt in den Verhandlungsraum, als er wegen der Steuerhinterziehung angeklagt wurde und in die Kamera schaute.

6.       Tag, Sonntag

Am letzten Tag durften wir besonders früh aufstehen: Um 630 gab es Frühstück! Nach dem Auschecken ging es nämlich direkt nach Berlin-Hohenschönhausen, ein geheimer Stadtteil, in dem die Stasi ihr bestgehütetes Gefängnis hatte. Kein DDR-Bürger wusste bis zur Vereinigung der Deutschen Staaten, was sich hinter den hohen Mauern befand – zum Glück der Stasi…

Eine Zelle im Gefängnis        Vorne die „Toilette“, hinten ein Holzkasten, das „Bett“ für drei Menschen.

Zuerst hatten wir alle ziemlich wenig Lust auf diesen Ausflug, einerseits wegen der frühen Anreise, andererseits wegen der Länge von drei Stunden. Doch als wir die Führung einer Zeitzeugin begannen, verging die Zeit richtig schnell:

Die DDR hat die Insassen zuerst in einer Zelle festgehalten, die links abgebildet ist. Oftmals in Einzelhaft ohne Licht nur mit dem einen Kübel. Wenn man sich gegen die Misshandlungen der Wärter wehrte, so kam man in eine Gummizelle, in der man dann teilweise wochenlang ohne Kübel eingesperrt war. Da der Gebäudekomplex mit diesen Zellen unter der Erde lag, wurde es auch „U-Boot“ genannt. Die Haftbedingungen wurden erst dann verbessert, als die DDR als Staat international anerkannt werden wollte.

Was blieb, waren jedoch die miserablen Bedingungen beim Verhör: Beim Warten wurden vor allem politische Häftlinge mit einem Röntgengerät bestrahlt, sodass viele später an Krebs gestorben sind.

Nach dem Fall der Mauer wurde das Gefängnis nicht mehr benutzt, nur noch für einen Insassen:  Den letzten Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der sich ironischerweise über die Haftbedingungen beklagt hat.

Um 1252 ging es dann von Berlin zurück nach Xanten, wo ich um 1756 am Ostersonntag schließlich ankam.

Fazit

Insgesamt kann ich zu dem Schluss kommen, dass sich diese sechs Tage vollends gelohnt haben. Auch wenn die Fragerunden nach den Vorträgen ziemlich öde waren, da die Fragen oftmals total banal oder auch sehr weit hergeholt waren, so haben mich selbst die Vorträge über Ethik am ersten Tag, womit man eigentlich meint, mich nicht ködern zu können, gefesselt und überhaupt nicht gelangweilt. Nicht zuletzt war auch das Kennenlernen von neuen Leuten sehr spannend, da man die Abende so gesellig miteinander verbringen konnte – ob vor dem Fernseher beim Länderspiel oder bei einer Diskussion über Mimik-Resonanz.

Diese Veranstaltung ist wirklich jedem zu empfehlen!

 

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