Preisverleihung der Hochschule Rhein-Waal in der Kunstschule
Simone Gansen (Q2) wurde mit einem Preis ausgezeichnet

Simone Gansen, Schülerin der Q2, konnte mit ihrem Bild und einem Text, der einen Zugang zur Deutungsebene der Malerei anbot, die Jury der Hochschule Rhein Waal überzeugen. Die Hochschule hatte im Rahmen eines Symposions zu ethischen Fragestellungen, das von Herrn Prof. Dr. Hegemann ins Leben gerufen wurde und im letzten Jahr zum ersten Mal stattfand, einen Wettbewerb ausgerufen. Hier ging es um Stellungnahmen zu der Frage: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“. Simone Gansen hatte im Projektkurs Kunst, unter Leitung von Herrn Cürvers M.A., malerische Techniken erlernt, auf die sie nun für den Wettbewerbsbeitrag zugriff. So entstand eine thematisch und maltechnisch komplexe Arbeit, die mit dem dritten Platz geehrt wurde. Während einer kleinen Feier in der Gaesdoncker Kunstschule haben Herr Professor Dr. Hegemann und Herr Direktor Broeders ihre Wertschätzung für die künstlerische Arbeit herzlich zum Ausdruck gebracht.

 

Hier ein kurze Beschreibung ihres Bildes (von der Preisträgerin selbst):

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

„Das gute Leben – eine künstlerische Gestaltung“

Mein Gemälde umfasst die Themen, wie der Mensch leben will, wie er momentan lebt und nach welchem Leben er sich sehnt.
Das Werk ist wie folgt aufgebaut: Im Vordergrund ist ein Felsen zu sehen, auf dem sich ein Mensch befindet. Der Mensch sitzt zusammengekauert auf dem Vorsprung des Felsens inmitten einer Blumenwiese. Aus seinem Kopf wuchert ein großer Baum heraus, der Blüten schlägt. Auf dem gekrümmten Rücken der Person stehen Häuser mit roten Dächern, die im Gegensatz zum Baum Wurzeln schlagen. Der Felsen steht inmitten einer Großstadt.

Im Mittelgrund, um den Felsen herum, befindet sich eine Menge großer Plattenbauten, die wahllos in einer Stadt stehen. Alle diese Hochhäuser sind grau und trist. Das Ende dieser Häuser und der Stadt ist nicht auszumachen. Die Gebäude sind mit einer Vielzahl schwarzer Fenster besetzt. Im Hintergrund des Gemäldes befinden sich zwei dunkle Felsen. Hinter den Felsen geht die Sonne unter, während sich der Himmel rötlich färbt.

Das Werk stellt die Industrialisierung und das starke städtische Wachstum dar. Vor allem die Selbstzerstörung des Menschen wird betont. Die selbstverschuldete Verdrängung des Menschen aus der Natur wird thematisiert. Der Mensch hat sich ein Leben in einer eintönigen und tristen Welt erschaffen. Es geht nicht mehr um ihn selbst als Individuum, sondern er konzentriert sich auf die Arbeit, auf das immer größer Werden und versucht dabei sein Bestes zu erlangen. Dabei wird die Natur nicht berücksichtigt.

Der Mensch ist in meinem Gemälde bewusst nicht bekleidet, da kein individueller Mensch, sondern der Mensch schlechthin gemeint ist. Nachdem der Mensch realisiert hat, dass die Natur untergeht, was zudem durch die untergehende Sonne dargestellt ist, ist es bereits zu spät.

Die Wurzeln der Natur schlagen nicht mehr. So schlägt der Baum, der aus dem Kopf des Menschen wächst keine Wurzeln mehr. Dafür allerdings schlagen nun die Häuser ihre Wurzeln. Sie haben als Grundlage, als „Nährstoff“ den Menschen zum Wachsen und können sich durch diesen entwickeln und verbreiten. Der Mensch allein trägt zu dieser Entwicklung bei und steigert sie immer weiter.

Dabei entsteht eine leere, triste Welt. Die Häuser sind wahllos ohne jegliche architektonische Idee in die Stadt gebaut. Sie passen nicht zueinander, besitzen keinen gemeinsamen Fluchtpunkt. Auch die Fenster dieser Häuser, die normalerweise Einblick in ein menschliches Leben geben, sind hier in großer Masse und schwarz abgebildet. Der Mensch selber wird nicht mehr als Individuum angesehen. Generell ist von ihm und davon, was jeden Einzelnen ausmacht, nichts mehr zu sehen. Der individuelle Mensch verschwindet.

Die Person in meinem Werk sitzt also auf dem Felsen, ihr Körper wird von der Häuserlast erdrückt. Die Häuser verschmelzen mit ihm zu einem Körper und zerstören ihn dadurch, sie nehmen den Menschen ein. Der Baum dagegen, die Natur, die sich der Mensch wünscht, bleibt nur eine Vorstellung in seinem Kopf. Der Mensch versucht diese Idee zu verfolgen, doch sie schlägt keine Wurzeln.

Der Mensch sehnt nicht nach einer freien Welt. Sie soll modern, aber nicht durch Vermassung eintönig werden. Vor allem soll die von Menschen gestaltete Welt der Natur zu Gute kommen. Obwohl sich die Menschen danach sehnen, scheitern sie daran.

Simone Gansen, Collegium Augustinianum Gaesdonck, Q2

  

 

 

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