Exkursion der 6c und 6d in die Merkez-Moschee Duisburg

Mag Gott eigentlich Tattoos?

„Schuhe aus!“, hieß es freundlich, aber bestimmt zu Beginn der Besichtigung der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh, zu der sich die Klassen 6c und 6d mit Herrn van Briel, Frau Heyder und Herrn Henkel aufgemacht hatten. Warum diese streng scheinende Aufforderung? „Wir beten viel im Knien“, erklärt Gülay Öztürk von der islamischen Gemeinde, „und da will niemand die dreckigen Schulsohlen seines Vordermannes im Gesicht haben. Zudem sind alle Moscheen mit Teppichen ausgelegt, so dass es auch eine Frage der Reinheit ist.“

Mit Socken betraten also Schüler und Lehrer der Gaesdonck den weichen Teppichboden des Gebetsraumes – und durften es sich erst einmal liegend auf ihm bequem machen, um die imposanten Dekorationen der Kuppel und den riesigen goldenen Leuchter mit den 99 Namen Gottes auf sich wirken zu lassen. Danach erklärten zwei Referenten der Bildungs- und Begegnungsstätte der Merkez-Moschee das Gotteshaus und beantworteten zahlreiche Fragen, die die Schüler zuvor im Unterricht erarbeitet hatten. Hier nur eine kurze Auswahl:
„Warum gibt es eigentlich in einer Moschee keine Orgel?“ – „Im Islam ist Musik beim Beten verpönt, weil sie ablenkt. Überhaupt ist alles, was die Konzentration stören kann, unerwünscht, also auch kurze Hosen oder kurze Röcke.“
„Wie viele Gläubige versammeln sich freitags in der Moschee zum Gebet?“ – „Etwa 1300.“ Diese Antwort überraschte selbst Gaesdoncker Schüler, die regelmäßig an der Sonntagsmesse teilnehmen. 1300 Anwesende wären für einen Sonntagsgottesdienst eine sehr, sehr große Zahl.
„Wie finden Sie eigentlich die Moslems, die in Paris den Anschlag auf Charlie Hebdo verübt haben?“ – „Das sind Verrückte. Auch wir fühlen uns von diesen Menschen bedroht. Aber es ist auch darauf hinzuweisen, dass in Paris nicht nur die Täter Moslems waren, sondern auch jene, die mit viel Zivilcourage und Mut als Erste geholfen haben, die Geiselnahme zu beenden. Terroristen missbrauchen unsere Religion.“
Die Frage, ob Gott nach der Vorstellung des Islam wohl Tattoos oder Ohrringe gefielen, wurde ausdrücklich zwar nicht gestellt, doch gab es trotzdem eine Antwort. Unser Körper sei eine Leihgabe Gottes, betonte einer der Referenten. Der Körper solle so wieder an Gott zurück gegeben werden, wie wir ihn von Gott erhalten hätten. Keinesfalls dürfe er geschädigt werden, und speziell bei Männern seien deswegen auch Tattoos und Ohrringe nicht erwünscht. Wie würden wir als Christen dieses Frage beantworten und unsere Antwort bei Nachfragen begründen? Genauso?
Unterschiede zwischen den Religionen zeigten sich auch auf der Busfahrt zurück zur Gaesdonck, auf der Schüler und Lehrer XXL-Salzstangen und saure Glühwürmchen miteinander teilten – und darüber nachdachten, was sie am Islam und an der Moschee fasziniert hatte. Alle waren sich einig, dass es gerade für Schüler an einer katholischen Schule wie der Gaesdonck sehr wichtig sei, andere Religionen kennen und würdigen zu lernen. Auch und gerade das, was uns angesichts verlockender Süßigkeiten schwer verständlich scheint: Dass Moslems gerade jetzt einen Monat lang Ramadan feiern und während dieser Zeit den ganzen Tag über weder etwas essen noch trinken. Ein so radikales Fasten wird selbst in der österlichen Bußzeit von Katholiken nicht erwartet.
So lernten wir in der Duisburger Moschee nicht nur ein Gotteshaus einer anderen Religion kennen, sondern auch Menschen, die ihre Religion aufrichtig, mit Hingabe und großem Ernst ausüben. Manches nötigt Respekt ab, manches dürfen und können wir getrost anders machen, alles fordert zum freundlichen, gemeinsamen Austausch auf.

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