Zeitzeugenprojekt an der Gaesdonck

„Wer die Geschichte nicht kennt, kann auch nicht aus ihr lernen“

Der Start in die sonnige Jahreszeit wurde an der Gaesdonck von einem spannenden Zeitzeugenprojekt begleitet. Im Rahmen einer deutsch-niederländischen Kooperation mit dem Elzendaal College aus Gennep bekamen die Schülerinnen und Schüler eine der letzten Gelegenheiten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs zu begegnen und – noch viel wichtiger – selbst Fragen zu stellen.

Den thematischen Hintergrund lieferte das 70-jährige Jubiläum der Rheinlandoffensive des Frühjahres 1945. Ausgehend von der Eroberung der niederländischen Grenzstadt Gennep drangen die alliierten Truppen über Goch und Kleve in das westliche Zentrum des Deutschen Reiches ein. Diese Offensive sollte später unter dem Namen „Operation Veritable“ in die Geschichtsbücher eingehen und bildet eine der strategisch bedeutsamsten militärischen Operationen, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges beitrugen.

Initiator des Projektes war der ehemalige niederländische Offizier Gérard Cloin. Nach ersten Gesprächen mit Direktor Peter Broeders wurde schnell klar, dass die Gaesdonck, aufgrund ihrer Strukturen und Räumlichkeiten, den idealen Austragungsort für dieses Zeitzeugenprojekt bilden würde. Als teilnehmende Schülerklassen wurden die 9c der Gaesdonck sowie eine Schülergruppe des Elzendaal Colleges aus Gennep gewählt. In Zusammenarbeit mit den Lehrern Christian Haumer und Thorsten Rölver (Studienreferendar und Geschichtslehrer der 9c) wurde der inhaltliche und didaktische Rahmen gesteckt. So wurde der gesamte Projekttag den Leitbegriffen „Friede, Freundschaft und Freiheit“ unterstellt, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler in international durchmischten Arbeitsgruppen  befassen sollten.

Als Ehrengäste konnte die Gaesdonck letztendlich drei Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges willkommen heißen, die von ihren Erinnerungen des Frühjahrs 1945 berichteten: Bill Robertson  aus Perth in Schottland hatte die weiteste Anreise. Er kämpfte auf Seite der Alliierten und war bei der Schlacht im Reichswald als Soldat beteiligt. Jacob van Tankeren  wurde mit 16 Jahren aus Gennep evakuiert und berichtete von der Einnahme der niederländischen Grenzstadt. Aus deutscher Perspektive erzählte der damals 18-jährige Franz Gisbers von seinen Erfahrungen. Er erlebte die Kriegshandlungen im Bereich Goch-Kleve und wurde später vom britischen Militär als Übersetzer und Übergangspolizist eingesetzt.

Das Programm des Projekttages begann dann mit der Vorführung eines neuproduzierten Dokumentarfilms über die kriegerischen Auseinandersetzungen im Reichswald. Im Anschluss kamen die Schülerinnen und Schüler in mehreren Durchläufen mit den Zeitzeugen ins Gespräch. Gerade die multiperspektivische Ausrichtung der internationalen Zeitzeugenerzählungen wusste die jungen Zuhörer zu faszinieren und animierte sie, weiterführende Fragen zu stellen. Nachdem die Zeitzeugenberichte beendet waren, fanden sich die niederländischen und deutschen Schülerinnen und Schüler in mehreren Arbeitsgruppen zusammen, um das Erfahrene zu reflektieren und auf Basis der Leitbegriffe „Friede, Freundschaft und Freiheit“ Ergebnispräsentationen zu entwickeln. Dabei wurden alle Arbeitsprozesse von den Schülerinnen und Schülern in englischer Sprache bewältigt. Die Präsentation der Arbeitsergebnisse im feierlichen Stucksaal durch die Schülergruppen bildete dann den Abschluss des ereignisreichen Projekttages.
Begleitet wurde der gesamte Tag durch ein Filmteam der Euregio Stiftung. So wurden am Ende des Tages auch die Schülerinnen und Schüler interviewt, um von ihren Erlebnissen und Eindrücken zu berichten. Die Aufnahmen sollen Schulen für zukünftige Lehrzwecke zur Verfügung gestellt werden. Denn eines steht fest: mit dem unweigerlichen Voranschreiten der Zeit wird es nicht mehr viele Gelegenheiten geben, aus erster Hand über den historischen Zeitabschnitt des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges zu erfahren. Im Rahmen des Projekttages konnten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nochmals die Initiative ergreifen. Um so eindringlicher war die übereinstimmende Quintessenz aller drei Zeitzeugenerzählungen; sowohl aus Perspektive des Sieger-, Opfer- und Tätervolkes hieß es: „Nach dem Krieg gab es keine Gewinner... nur Verlierer.“


 

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