Geschichte erleben

Geschichts-LK im Durchgangslager

Bis zu dem Eingang des Juden-Durchgangslagers Westerbork erinnern alle zehn Meter Holzpfeiler an deportierte Juden. Hier handelt es sich um eines der beiden, von den nationalsozialistischen Besatzern in den Niederlanden eingerichteten zentralen Durchgangslagern, in denen niederländische und sich in den Niederlanden aufhaltende deutsche Juden bis zur Deportation in andere Konzentrationslager untergebracht waren. Es liegt in Hooghalen, Provinz Drenthe, im Nord-Osten der Niederlanden. Das Durchgangslager besteht aus zwei zentralen Teilen, dem historischen Teil des ehemaligen Lagergeländes („dem nationalen Mahnmal Westerbork") sowie einem modernen Museumskomplex.

 

Dieses „self supporting“ - Lager wurde durch Werte finanziert, die die Insassen bei ihrer Ankunft abgeben mussten und die durch eine lagerinterne Bank verwaltet wurden. Für ihre Arbeit wurden sie entlohnt und konnten selbstständig in einem Geschäft des Lagers, namens „Winkel“ einkaufen. Das Lager Westerbork hatte eine eigene Währung, ein selbstorganisiertes Krankenhaus, in dem jüdische Ärzte aus dem Lager arbeiteten. Kindern im Alter von 6 -14 Jahren wurde eine Schulausbildung angeboten. Die Zugfahrt zu dem Lager Westerbork und der Judenstern mussten selbst bezahlt werden. Wer sich weigerte oder Gefangene, die sich nicht freiwillig gemeldet hatten und untergetaucht waren, wurden in ein Straflager innerhalb des Lagers Westerborks verlegt. Die Bedingungen und Arbeiten, die dort verrichtet wurden, waren härter als im übrigen Teil.

Auch Anne Frank kam, nachdem sie in ihrem Versteck in Amsterdam verraten wurde, in das Durchgangslager Westerbork und wurde direkt in das Straflager deportiert. Der Ordnungsdienst wurde ebenfalls von jüdischen Insassen verrichtet. Inhaber dieser Aufgabe standen in engem Kontakt zur Lager-SS. Alle Insassen hatten das gleiche Ziel: Überleben. Deshalb herrschte Konkurrenz unter den Gefangenen.

Es gab eine ‚Deportationsliste‘. Zwar waren die Schreckenstaten, die in den Vernichtungsslagern im Osten vor sich gingen nicht allgemein bekannt, trotzdem kämpfte jeder darum, nicht auf diese „Liste“ zu kommen, die montagabends ausgehändigt wurde. Alle Insassen, deren Namen sich auf der Liste befanden, wurden dienstags deportiert. Jeden Dienstag mussten alle übrigen Gefangenen in ihren Baracken bleiben. Auch der Unterricht in der Schule fiel an diesen Tagen aus. Die damaligen kindlichen Insassen haben sich nur gewundert, dass einige Mitschüler und Lehrer am darauf folgendenTag fehlten. Was mit ihnen geschah, erfuhren sie jedoch nicht. Die Angst, dass mit ihnen das gleiche passieren könnte, verspürten sie daher nicht.

Vor der Besichtigung des Lager berichtete Eva Weil, eine Zeitzeugin, von ihren persönlichen Erlebnissen in „Westerbork“. Sie war zu diesem Zeitpunkt ein sechsjähriges Kind. Ihre Wahrnehmungen und Gefühle, die sie zu dem Zeitpunkt aufnahm, unterschieden sich von denen der Erwachsenen. Geboren wurde sie 1935 in Arnheim. Dort erlebte sie als Einzelkind bis zur ihrem 7.Lebensjahr eine behütete Kindheit, bis zu dem Tag, als die Familie Weil ein Schreiben erhielt, indem sie aufgefordert wurden, sich nur mit dem Nötigsten in das Durchgangslager Westerbork zu begeben. Der von ihrer Mutter angekündigte ‚Umzug’ weckte zunächst ihre unbekümmerte, kindliche Neugier, jedoch verblasste die damit verbundene Freude, als sich zeigte, dass sich das neue Umfeld deutlich von ihrem bisherigem Zuhause unterschied.

Dank der authentischen, lebensgeschichtlichen Erzählungen von Frau Weil, der eindrucksvollen Berichte des „Guides“ und der wirkungsvollen Denkmäler, war es möglich, sich ein umfassendes und tiefgehendes Bild von dem Alltag des Durchgangslagers Westerbork zu machen. „Kann man stolz sein, Deutscher zu sein und zu wissen, was damals war?“ ist eine Frage, die Eva Weil am Ende ihrer Ausführungen in den Raum stellte.

Meines Erachtens geht es darum, verantwortlich für unser heutiges Handeln vor dem geschichtlichen Hintergrund zu sein, indem z. B. heutzutage antisemitische Parolen und

Verhaltensweisen nicht mitgetragen werden und Menschen dafür Sorge tragen, sich für

zeitpolitische Entwicklungen zu interessieren

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